Einführung

Bevölkerungswachstum, Wohnungsmangel und Flächen­knappheit in vielen Großstädten – Stagnation, wenn nicht Schrumpfung in manchen ihrer Umlandkommunen. Das Verhältnis zwischen Kernstädten und ihren Nachbarkommunen ist vielerorts aus der Balance geraten. Dieses Problem stellt sich nicht nur in NRW, hier aber in besonderer Deutlichkeit. Schließlich liegt weit mehr als ein Drittel der Großstädte Deutschlands in Nordrhein-Westfalen, genauer: 29 von 76. Häufig grenzen die großen Städte hier unmittelbar aneinander und haben im Verlauf der letzten hundert Jahre mit den umliegenden Gemeinden eng verflochtene Agglomerationsräume gebildet. Es gibt aber ebenso die Situation der Kernstadt im eher ländlichen Umfeld mit jeweils ganz unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken.

Noch vor einiger Zeit wurde in nahezu allen Teilräumen eine bestenfalls stagnierende, überwiegend jedoch stark rückläufige Entwicklung prognostiziert. Dieses Bild hat sich nun radikal verändert: Viele Großstädte verzeichnen schon heute ein deutliches Wachstum. Und die Bevölkerungsprognosen deuten darauf hin, dass die Entwicklung andauert und die betroffenen Städte vor große Herausforderungen stellen wird.

Richtet man den Blick allerdings auf das Umland der stark wachsenden Städte wird auch deutlich, dass der Wachstumsdruck punktuell ist, denn unweit der Wachstumszentren liegen oft kleinere Städte und Gemeinden, die um den Erhalt ihrer Bevölkerungszahlen kämpfen. 

Herausforderungen wie diese sind weder von den Großstädten noch von den Umlandgemeinden allein zu bewältigen. Benötigt wird ein Denken und Handeln, das in doppeltem Sinne Grenzen überwindet: Einerseits gilt es, über administrative Grenzen hinweg Großstädte mit ihren Umlandgemeinden als Zusammenhang zu sehen, um den anstehenden Problemen im Verbund beikommen zu können. Andererseits müssen auch Ressortgrenzen überschritten und durch ein integratives Verständnis von Raumentwicklung ersetzt werden. Das gilt insbesondere für den Zusammenhang von Bevölkerungs- und Siedlungsflächenentwicklung, Stadtentwicklung, Wohnraum- und Infrastrukturversorgung sowie multimodale Mobilität. 

Diese Situation bildet den Hintergrund für einen Aufruf des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit dem Projektaufruf „StadtUmland.NRW“ vom Sommer 2016 wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der auf eine Neujustierung der Stadt-Umland-Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen ausgerichtet ist. Die großen Städte sollen dazu angeregt werden, gemeinsam mit ihren Nachbargemeinden Zukunftskonzepte zu entwickeln, mit denen auf die aktuellen Herausforderungen angemessen reagiert werden kann und die zugleich eine nachhaltig wirksame Kultur regionaler Kooperation schaffen bzw. weiter entwickeln.

Der Projektaufruf sah für derartige Anforderungen ein nicht alltägliches Verfahren vor. In einer Art zweiphasigem Wettbewerb konnten sich Zusammenschlüsse von Großstädten und Nachbargemeinden zunächst mit einem Exposé, das über die jeweilige Ausgangslage des Stadt-Umland-Verbundes, die wesentlichen Entwicklungsziele und die beabsichtigten Arbeitsschritte regionaler Kooperation Auskunft gibt, für die Erarbeitung regionaler Zukunftskonzepte bewerben. Die auf dieser Grundlage von einer interdisziplinär und international besetzten Fachjury ausgewählten Verbünde erhielten in der zweite Phase die Chance, mit finanzieller Unterstützung des Landes und begleitet durch fachliche Berater, die Konturen der Zukunftskonzepte weiter durchzuarbeiten. 

Abschlussdokumentation

StadtUmland NRW Auftaktveranstaltung
StadtUmland NRW Auftaktveranstaltung